Wenn morgens die ersten Kinder ihre Jacken ausziehen, duftet es in der Kita „CampusKids“ schon nach Frühstück. Im Wohnzimmer der Einrichtung werden sie begrüßt, später spielen sie im Sandkasten, lösen Puzzle, rennen über den Hof oder turnen in der Sporthalle. Mitten auf dem Campus der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg ist vor 14 Jahren ein Ort entstanden, an dem Studieren, Arbeiten und Familie ganz praktisch zusammenfinden.
Die Kita „CampusKids“ befindet sich im Erdgeschoss des Wohnheims 7 und wird vom Studentenwerk Magdeburg getragen. Montags bis freitags von 7 bis 17 Uhr werden bis zu 70 Kinder aus rund 21 Nationalitäten betreut. Elf pädagogische Fachkräfte begleiten sie durch den Tag. „Wir nehmen Kinder von acht Wochen bis zum Schuleintritt auf“, berichtet die Kitaleiterin Ina Richter. Seit 2023 leitet sie die Einrichtung. Sie kennt die Kita von Anfang an: 2012 begann sie dort direkt nach ihrer Ausbildung zur Erzieherin. Die Leiterin blickt auf die Entstehungsgeschichte der Tagesstätte zurück.
„Die Kita wurde gegründet, um Studierenden mit Kind eine verlässliche Betreuung zu ermöglichen“, sagt Ina Richter. Zuvor gab es auf dem Campus bereits das „CampusKinderZimmer“, eine Randzeitenbetreuung für Eltern, die ihre Kinder stundenweise betreuen ließen – etwa während einer späten Vorlesung oder eines Seminars tagsüber. Diese Randzeitenbetreuung existiert auch weiterhin, von 8 bis 15 Uhr auf dem Campus der Hochschule Magdeburg-Stendal und von 16 bis 21 Uhr auf dem Campus der Otto-von-Guericke-Universität. Recht schnell wurde jedoch klar, dass dieses Konzept nicht für den Betreuungsbedarf der Kinder mit studentischen Eltern ausreichte. So entstand mit den „CampusKids“ eine durchgängige Ganztagsbetreuung an einem Ort, an dem Ganztags- und Randzeitenbetreuung sich ergänzen und ineinander übergehen.
Einem Missverständnis begegnet Ina Richter trotz dieses Konzepts immer wieder: Die Kita ist nicht nur für Kinder von Studierenden oder Beschäftigten der Universität da. „Wir sind eine öffentliche Kita. Und auch, wenn unser Träger das Studentenwerk ist, haben wir die gleichen Angebote und die gleichen Preise wie andere Kitas“, betont sie. Bei der Platzvergabe werden Kinder von Studierenden, sowie von Mitarbeitenden der Hochschulen und des Studentenwerks besonders berücksichtigt. Ein entsprechender Bezug ist jedoch keine Voraussetzung für die Aufnahme. Es sind also grundsätzlich alle Familien aus Magdeburg und dem Umland willkommen. Derzeit hat etwa die Hälfte der Familien keine Verbindung zur Universität, zur Hochschule oder zum Studentenwerk. So entsteht eine vielfältige Gemeinschaft aus Familien mit ganz unterschiedlichen Hintergründen. Dieser bunte Mix prägt den Kita-Alltag und bereichert das Miteinander durch Diversität, Offenheit und vielfältige Perspektiven.

Der Alltag in der Kita ist klar strukturiert, lässt den Kindern aber bewusst Raum für eigene Entscheidungen. Ab 7:00 Uhr werden die Kinder im Wohnzimmer der Kita begrüßt. Nach dem Ankommen beginnt eine flexible Frühstücksphase. Zwischen 7:30 und 8:45 Uhr entscheiden die Kinder dabei selbst, ob sie zunächst spielen oder einen freien Platz in der Mini-Mensa zum Frühstücken nutzen möchten. Die unterschiedlichen Räume der Kita sind dabei thematisch gestaltet, sodass die Kinder selbst wählen können, wo und mit wem sie spielen. Unter anderem gibt es zwei Atelier-Räume zum kreativen Austoben, ein Familienzimmer mit Puppenecke und Kaufladen, einen Raum für das Rollenspiel und zwei Baubereiche. Besonders beliebt sind der Matschraum, der auch bei schlechtem Wetter zum Experimentieren einlädt und der Sportraum, den die Kinder eigenständig nutzen können. Dabei geht es nicht nur um Beschäftigung, sondern auch um Entwicklung: Motorik, Sprache oder soziales Miteinander.
Die Kinder erhalten eine Vollverpflegung, Eltern müssen für das leibliche Wohl also nichts mitbringen. Das Essen wird in der Mensa der Universität zubereitet, was aber nicht heißt, dass es identisch mit dem Speiseplan der Studierenden sein muss. „Wir können den Essensplan gemeinsam mit den Kindern mitgestalten. Manchmal gehen die Kinder auch direkt in die Mensa und essen dort“, sagt Ina Richter. Wer nach dem Mittagessen zur Ruhe kommen will, kann es sich im Schlafraum gemütlich machen. Wem schon eine kleine Pause genügt, kann jederzeit wieder zum Spielen gehen.
Etwas an der Kita ist dennoch besonders: Die unmittelbare Nähe zur Universität. Und das nicht nur wegen der kurzen Wege oder der Nutzung der Mensa, sondern weil der gesamte Campus als erweiterter Bildungsraum genutzt wird. Spaziergänge auf dem Universitätsgelände sind genauso beliebt wie Ausflüge in den Nordpark oder an die Elbe. Weiterhin besuchen die Kinder wöchentlich die Sporthalle 3 der Universität. Daneben eröffnet diese Anbindung den Kindern auch erste Begegnungen mit der Wissenschaft. Ein- bis zweimal im Jahr besuchen sie gemeinsam mit dem Institut für Physik die Hörsäle der Universität. Unter der Anleitung von Mitarbeitern führen sie dort kleine Experimente unter den wachsamen Augen der Forscher durch. Für viele der Kinder ist es der erste Kontakt mit Forschung – spielerisch und ganz ohne Berührungsängste.
Für Ina Richter ist genau das der Kern ihrer Arbeit: Kindern Sicherheit geben und sie zugleich neugierig machen. Die Kita „CampusKids“ ist für sie damit mehr als ein Betreuungsangebot. Sie ist ein familienfreundlicher Ort auf dem Campus, der Studierenden und Beschäftigten den Alltag erleichtert – und Kindern zeigt, dass Lernen überall beginnen kann: im Gruppenraum, auf dem Spielplatz, in der Sporthalle oder eben in einem Hörsaal der Universität.