Zwei Abschlüsse in vier Jahren, Berufserfahrung schon während des Studiums und vermutlich bessere Chancen im Berufsleben: Ein duales Studium verbindet Theorie und Praxis auf besondere Weise. Wie das im Alltag aussieht, weiß Samy Elbetar aus eigener Erfahrung. Der 22-Jährige studiert dual Informatik an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Sein Fazit: Es ist anspruchsvoll, aber es lohnt sich.
Dass Samy einmal Informatik studieren würde, war schon früh klar. Computer haben ihn schon als Kind fasziniert. „Ich habe früher viel Zeit am PC verbracht und Minecraft gespielt. Irgendwann war für mich klar: Ich will später Informatik studieren."
Den entscheidenden Anstoß gab ein Schülerpraktikum in der elften Klasse. Dort lernte er seinen späteren Praxispartner kennen und war sofort begeistert. Nach einem weiteren Ferienpraktikum bekam er noch vor dem Abitur einen Vertrag für ein duales Studium angeboten.
Für ihn hatte das gleich mehrere Vorteile: Der Studienplatz war früh gesichert und er konnte in seiner Heimatstadt Magdeburg bleiben. „Damals war die Firma sehr familiär. Die Atmosphäre war super, alles war unkompliziert, das hat einfach gut gepasst."
An der Uni Magdeburg ist genau dieses Modell fest etabliert: Interessierte können hier ein duales ausbildungsintegriertes Studium in Informatik, Computervisualistik, Wirtschaftsinformatik, Maschinenbau oder Wirtschaftsingenieurwesen Maschinenbau absolvieren. Für die Informatik-Studiengänge kooperieren Unternehmen dabei mit der Ausbildung zum Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung oder Systemintegration. Nach viereinhalb Jahren stehen am Ende gleich zwei Abschlüsse: der IHK-Berufsabschluss und der Bachelor.
Im Studienalltag unterscheidet sich das duale Studium kaum vom klassischen Bachelor. Samy sitzt in denselben Vorlesungen wie alle anderen Informatikstudierenden. Der Unterschied zeigt sich vor allem außerhalb der Vorlesungszeit: Während andere Semesterferien hatten, arbeitete er Vollzeit im Unternehmen.
Genau das war für ihn die größte Herausforderung. „Sobald die Vorlesungen vorbei waren, ging es direkt in die 40-Stunden-Woche. Gleichzeitig musste ich für mehrere Prüfungen lernen: Mathe, theoretische Informatik und andere Fächer. Das war schon intensiv, aber man wächst daran."
Zusätzlich standen die Inhalte der Berufsausbildung auf dem Plan, inklusive Berufsschulstoff sowie Zwischen- und Abschlussprüfung bei der IHK. Um sich auf die Prüfungen vorzubereiten nutzte er die Unterlagen der Auszubildenden.
Der größte Vorteil des dualen Studiums war für Samy die praktische Erfahrung. „Im Unternehmen habe ich gelernt, wie professionell Software entwickelt wird. An der Uni lernt man das auch, aber nicht in dieser Tiefe und nicht von Leuten, die seit 20 Jahren in dem Beruf arbeiten." Dieses Wissen half ihm später auch im Studium, etwa bei Softwareprojekten oder wenn er sich schnell in neue Programmiersprachen einarbeiten musste.
Mit dem baldigen Bachelor, einer abgeschlossenen Ausbildung und mehreren Jahren Berufserfahrung startet er mit einem Vorsprung ins Berufsleben. Neben den vielen Vorteilen spricht Samy auch offen über die weniger einfachen Seiten des dualen Studiums. Die Ausbildungsvergütung empfand er angesichts seiner Aufgaben im Unternehmen als eher niedrig. „Ich habe ganz normal im Team mitgearbeitet und dieselben Aufgaben übernommen wie die anderen."
Auch die Zusammenarbeit zwischen Universität und Unternehmen hätte aus seiner Sicht teilweise enger sein können. Gleichzeitig betont er, dass ihn seine Ansprechpartner im Betrieb während der gesamten Ausbildung hervorragend unterstützt haben.
Die Ausbildung hat Samy inzwischen erfolgreich abgeschlossen. Heute studiert er im achten Semester und liegt damit fast in der Regelstudienzeit. Darauf ist er besonders stolz. „Wenn ich bedenke, dass ich zwischendurch Vollzeit gearbeitet und gleichzeitig Prüfungen geschrieben habe, macht mich das schon stolz."
Nach dem Bachelor möchte er einen Master anschließen. Langfristig kann er sich vorstellen, sich im Bereich Cybersecurity und IT-Forensik selbstständig zu machen.
Wer sich für ein duales Studium interessiert, sollte den Praxispartner sorgfältig auswählen. „Schaut euch den Betrieb genau an. Das Studium ist anstrengender als ein normales, aber wenn man programmieren möchte und Spaß an Informatik hat, lohnt es sich auf jeden Fall. Man muss einfach Lust darauf haben." Sein Fazit fällt entsprechend eindeutig aus: „Es ist anstrengend, aber am Ende zahlt es sich aus."