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18.08.2026 aus 
OVGU-Pressemitteilungen
Erst gesund, dann Wiedereinstieg ins Berufsleben?

Erst gesund, dann Wiedereinstieg ins Berufsleben?

18.08.2026 -

Gesundheit ist eine Voraussetzung für den Wiedereinstieg in den Job, Arbeit ist aber ebenso Teil des Weges zu mehr gesundheitlicher und sozialer Stabilität. Zu diesem Ergebnis kommt die wissenschaftliche Begleitforschung zum Modellprojekt „BEWEGUNG – Beruflicher Eingliederungsweg umfassend neu gedacht“. Das Team um die Soziologin Prof. Dr. Heike Ohlbrecht der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg begleitete dabei Menschen im Bürgergeldbezug, die auf dem Weg zurück ins Erwerbsleben gleichzeitig mit gesundheitlichen Problemen, Schwierigkeiten beim beruflichen Wiedereinstieg und weiteren persönlichen Belastungen umgehen mussten.

Musste ein Teil der Teilnehmenden zunächst körperlich oder psychisch stabiler werden und Behandlung oder Rehabilitation voranbringen, verbanden andere gerade mit einer Beschäftigung und der Erprobung von beruflichen Tätigkeiten die Hoffnung, ihren Alltag wieder zu ordnen, selbstständiger zu werden und neuen Halt zu gewinnen.

Gesundheitliche Probleme gehören für viele erwerbslose Grundsicherungsbeziehende zu den entscheidenden Hürden auf dem Weg zurück in Beschäftigung. Untersuchungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigen, dass psychische Erkrankungen unter Arbeitslosen weit verbreitet sind und mit dem individuellen Leistungsvermögen zusammenhängen. Zugleich verweist eine IAB-Studie von 2025 darauf, dass geförderte Beschäftigung in Verbindung mit gesundheitsbezogenem Coaching nicht nur den Weg in Arbeit unterstützen, sondern auch Gesundheit und soziale Teilhabe stärken kann.

Die Studie fand in Kooperation mit dem Berufsförderungswerk Bad Wildbad und den Jobcentern Calw und Freudenstadt statt. Dort wurde in 18 Durchgängen zu jeweils zwölf Wochen rund 150 Erwerbslosen kein einheitlicher bzw. starrer Integrationsweg vorgegeben. Die Teilnehmenden konnten stattdessen in einem „Berufsparcours“ verschiedene Tätigkeiten praktisch ausprobieren und erfahren, was ihnen liegt, was sie leisten können und wo ihre Grenzen liegen. Sie blickten auf ihren bisherigen Lebens- und Berufsweg zurück und betrachteten dabei nicht nur Brüche und Belastungen, sondern suchten auch nach Erfahrungen, Fähigkeiten und Ressourcen für einen neuen beruflichen Anfang.  

Das Magdeburger Forschungsteam führte im Rahmen einer Evaluation dieses neuartigen Ansatzes parallel zu einer Fragebogenerhebung Interviews und später telefonische Nachbefragungen durch. „Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer berichteten dabei unter anderem, dass sie sich intensiver um Diagnostik, Behandlung oder Rehabilitation kümmerten, ihren Alltag selbstständiger organisierten und sich konkreter mit ihrer beruflichen Zukunft auseinandersetzten", so Prof. Heike Ohlbrecht. „Wer erlebt, was er kann, gewinnt auch Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.“

Die zentrale Schlussfolgerung der Soziologin lautet: „Den einen Weg zurück in Arbeit gibt es nicht. Entscheidend ist, was angesichts von Gesundheit, Lebenssituation und beruflichen Möglichkeiten für die einzelne Person tatsächlich passt." Sei für manche Menschen gesundheitliche Stabilisierung die Voraussetzung für einen beruflichen Neustart, könne für andere Arbeit neue Struktur, Selbstständigkeit und Stabilität schaffen, so die Soziologin weiter. „Gesundheit, Beruf und Lebensgeschichte sind eng miteinander verwoben. Wer Menschen mit mehreren Belastungen nachhaltig auf ihrem Weg zurück in Arbeit unterstützen will, muss diese Bereiche gemeinsam in den Blick nehmen. Es genügt nicht, einzelne Probleme nacheinander abzuarbeiten.“

Forschungsergebnisse werden am 6. Oktober vorgestellt

Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitforschung werden am 6. Oktober 2026 bei der Abschlussveranstaltung des Projekts BEWEGUNG in Bad Wildbad vorgestellt.  Anschließend diskutieren Fachleute aus Praxis, Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft, welche Elemente des Ansatzes sich bewährt haben und auf andere Bereiche der beruflichen Integration und Rehabilitation übertragen werden können. Mehr Informationen und Anmeldung unter . Die Teilnahme ist kostenfrei. 

Über das Projekt

BEWEGUNG ist Teil des zweiten Förderaufrufs des Bundesprogramms „Innovative Wege zur Teilhabe am Arbeitsleben – rehapro“ des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (Laufzeit: 02/2022 bis 10/26). Träger ist das Jobcenter Landkreis Calw, Projektpartner das Berufsförderungswerk Bad Wildbad. Die wissenschaftliche Begleitung übernimmt der Bereich Soziologie der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg unter Leitung von Prof. Dr. Heike Ohlbrecht. 


Autor:in Lisa Baaske
Prof. Heike Ohlbrecht
Tel.: 0391 67-56536
E-Mail:
Autor:in: Lisa Baaske
Quelle: OVGU-Pressemitteilungen