Sportstudierende auf einem Gruppenbild in einer Halle (c) Lukas Appelt

Sportunterricht ohne Grenzen

Beim Austausch im finnischen Jyväskylä lernen Lehramtsstudentinnen der Uni Magdeburg, wie Schule, Sport und Gesundheit in Europa zusammengedacht werden.

Brennball in Finnland, Tanz als Aufwärmübung und danach Sauna statt Seminarraum: Für Elicia Vetter und Lucie Kolbe sah Sportunterricht in diesem Sommersemester anders aus als sonst. Normalerweise besuchen die beiden Lehramtsstudentinnen ihre Veranstaltungen im Nebenfach Sportwissenschaft auf dem Campus der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Diesmal führte sie ihr Studium für 5 Tage an der Universität Jyväskylä in Finnland.

Dort nahmen sie an einem internationalen sportwissenschaftlichen Austauschprogramm teil. Das sogenannte „Blended Intensive Program“ gehört an der Universität Magdeburg zum Modul „Vertiefende Aspekte des Sportunterrichts“ und ist ein Format im europäischen Erasmus+-Programm, dem Bildungsprogramm der EU, das Auslandsaufenthalte, Austausch und gemeinsame Lehrprojekte von Studierenden, Lehrenden und Hochschulen in Europa fördert. Seit vier Jahren bringt es Studierende und Lehrende verschiedener europäischer Hochschulen zusammen. Ziel ist es, die Sportlehrerausbildung in verschiedenen Ländern kennenzulernen, Unterrichtsideen zu vergleichen und voneinander zu lernen.

Für die Magdeburger Studentinnen wurde Internationalisierung damit sehr konkret: nicht als Schlagwort in einer Strategie, sondern als gemeinsame Sportstunde mit Studierenden aus Finnland, Polen und Spanien. Sie planten Unterrichtseinheiten, stellten deutsche Methoden vor und diskutierten, wie sich Themen wie Inklusion, Gesundheitskompetenz und Bewegung im Schulalltag vermitteln lassen.

Insgesamt trafen sich über 40 Studierende aus Deutschland, Polen und Spanien in Jyväskylä mit ihren finnischen Gastgeberinnen und Gastgeber. „Es ging darum, die Sportlehre und -ausbildung anderer europäischer Länder kennenzulernen. Gleichzeitig sollten wir zeigen, wie typischer Sportunterricht im eigenen Land aussieht“, sagt Lucie Kolbe.

Die Magdeburger Gruppe entschied sich unter anderem für eine tänzerische Erwärmung und für Brennball – ein Spiel, das viele noch aus der eigenen Schulzeit kennen. Was zunächst einfach klingt, wurde schnell zum fachlichen Vergleich: Wie wird eine Stunde aufgebaut? Wie werden alle Kinder einbezogen? Wie lassen sich Bewegung, Teamgeist und Gesundheitsbewusstsein verbinden?

Neben den Sportstunden standen Workshops, gemeinsame Auswertungen und ein Abendprogramm auf dem Plan. Für Elicia Vetter und Lucie Kolbe war gerade dieser Teil wichtig. Denn wer verstehen will, wie in einem anderen Land gelernt und gelehrt wird, muss auch erleben, wie dort gelebt wird. In Jyväskylä fiel der Besuch in die Zeit rund um den 1. Mai, der in Finnland besonders groß gefeiert wird. Es gab Spieleabende, Partys, Ausflüge und einen Besuch in einem Saunadorf.

„Es war insgesamt eine sehr intensive Zeit“, sagt Elicia Vetter. Von morgens bis nachmittags standen Veranstaltungen an der Universität auf dem Programm, abends ging es oft weiter. Aber der Austausch habe sich gelohnt: „Wir haben in der Zeit die Möglichkeit gehabt, die finnische Kultur kennenzulernen, ein anderes Hochschulsystem kennenlernen, fachlich über den eigenen Campus hinausblicken, viel fachlichen Austausch zu erleben und mit vielem wundervollen Menschen aus Finnland, Spanien und Polen Freundschaften zu schließen.“

Damit steht das Programm auch für eine Entwicklung, die die Uni mit ihrer internationalen Ausrichtung und ihrer Mitgliedschaft in der europäischen Hochschulallianz EU GREEN weiter stärkt, in der insgesamt neun europäische Universitäten in Forschung und Lehre zusammenarbeiten.

Für Elicia Vetter und Lucie Kolbe bleibt vor allem eine Erfahrung: Sportunterricht endet nicht an Landesgrenzen. Wer später selbst vor einer Klasse steht, nimmt aus Finnland nicht nur neue Übungen mit, sondern auch einen anderen Blick auf Schule, Bewegung und Europa.

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