„Wie viele Tropfen passen auf eine Zehn-Cent-Münze?“ Einen Moment lang ist es still im sogenannten „Mathestübchen“ der Stadtbibliothek Magdeburg. Dann beugen sich die Kinder über die Münze, zählen, staunen, probieren aus. Zwischen geometrischen Puzzleformen, kindgerechten Sachbüchern und kleinen Experimenten wird schnell deutlich: Mathematik kann überraschen, neugierig machen und mitten im Alltag auftauchen.
Genau darum geht es beim Projekt MathemaTHEK, einem Lernformat, das seit Februar in der Stadtbibliothek Magdeburg angeboten wird. Ziel ist es, Mathematik interaktiv erlebbar zu machen - für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Mit dabei ist auch die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg: Die Fakultät für Mathematik bringt ihre fachliche Expertise ein, entwickelt Inhalte mit und zeigt die Vielfalt mathematischen Denkens.
„In der Schule wirkt Mathematik auf Kinder häufig abschreckend, weil sie oft sehr theoretisch bleibt. Wenn sie aber merken, dass Mathematik überall im Alltag vorkommt, entdecken sie, wie faszinierend sie sein kann“, sagt Christin Wegner von der Stiftung Kinder forschen, die das Magdeburger Projekt unterstützt.
Die Idee für das Format hatte Franziska Labitzke, ehemalige MagdeMINT-Koordinatorin der Landeshauptstadt Magdeburg. Gemeinsam mit Dr. Ulf Friedrich von der Fakultät für Mathematik, Miriam Schmidt von der Stadtbibliothek und Christin Wegner von der Stiftung Kinder forschen (IHK Magdeburg) entstand ein Angebot, das Mathematik aus dem Klassenzimmer herausholt und an einen zentralen Ort der Stadt bringt. Die Stadtbibliothek am Opernhaus bietet dafür den passenden Rahmen: offen, niedrigschwellig und gut erreichbar. In der MathemaTHEK haben außerdem Fortbildungen für Lehrkräfte stattgefunden. „Damit wirkt das Projekt nicht nur unmittelbar auf die Lernenden, sondern inzwischen auch in die dritte Phase der Lehrkräftebildung hinein“, erklärt Labitzke, die die Fortbildungen organisiert hat.

Alle paar Wochen steht ein anderes mathematisches Thema im Fokus. Dazu gibt es Spiele, Buchempfehlungen, Knobelaufgaben und Experimente. Im Mathestübchen können Kinder Mathematik ausprobieren, regelrecht begreifen und entdecken. Parallel dazu richtet sich das Programm auch an Erwachsene. Der Mathematiker Friedrich hält zum Beispiel, regelmäßig Vorträge und zeigt, wo Mathematik in alltäglichen Entscheidungen, Spielen oder Bewegungen steckt.
Ein Beispiel hierfür ist Sport: „Wann lohnt es sich, Spieler auszuwechseln? Wie lässt sich berechnen, wohin ein Ball fliegt?“, nennt Friedrich mehrere praktische Anwendungen. Solche Fragen zeigen, dass Mathematik nicht nur aus Formeln besteht, sondern hilft, Situationen zu verstehen und Entscheidungen zu treffen.
Auch weitere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität beteiligen sich am Programm. So war Prof.Thomas Kahle vom Institut für Algebra und Geometrie mit seinem Live-Podcast „Eigenraum“ in der Stadtbibliothek zu Gast und erzählte die Geschichte der Null, ein Thema, das zeigt, wie spannend mathematische Ideen sein können.
Die MathemaTHEK soll mindestens bis Januar 2027 laufen. Wer eigene Ideen für Themen, Experimente oder Vorträge einbringen möchte, kann sich per E-Mail melden.
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