Auszubildende der Universitätsbibliothek auf der Treppe in der UB (c) Carina Kröber

Wer Zukunft will, muss sie ausbilden

Am 1. August hat die Zukunft an der Uni Magdeburg ihren Dienstausweis bekommen. Seitdem lernen neue Auszubildende, wie eine Universität im Innersten funktioniert. Ihre Wege führen in Büros, Labore, technische Bereiche, die IT und die Universitätsbibliothek. Zum Ausbildungsspektrum der Uni Magdeburg gehören unter anderem Büromanagement, Fachinformatik, Mikrotechnologie, Laborwesen, Mediengestaltung, Tierpflege, Veranstaltungstechnik sowie Medien- und Informationsdienste. Für 2027 sind aktuell Ausbildungsplätze in der Mikrotechnologie, der Fachinformatik für Systemintegration, im Büromanagement und erneut als Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste, kurz FaMI, ausgeschrieben. Bewerbungen sind bis zum 31. Oktober 2026 möglich.

So hat jetzt erneut eine FaMI-Auszubildende ihren Berufsweg an der Universitätsbibliothek begonnen. Das Auswahlverfahren Ende 2025 schärfte eine Erkenntnis, die für viele Bereiche der Universität bedeutsam ist. Wer Fachkräfte gewinnen möchte, muss junge Menschen zunächst erreichen. Eine Stellenausschreibung ist häufig der erste Handschlag einer Einrichtung. Bleibt sie in Verwaltungssprache und abstrakten Anforderungskatalogen stecken, bleibt auch der Beruf blass. Zeitgemäße Ausbildungsanzeigen machen Arbeit vorstellbar. „Du erhältst feste Ansprechpersonen und übernimmst Schritt für Schritt eigene Projekte“ ist beispielsweise aussagekräftiger als die pauschale Forderung nach Belastbarkeit. Auch Berufsschulort, Auswahlverfahren, Entwicklungsmöglichkeiten und Benefits gehören gut sichtbar in den Text.

An der Universitätsbibliothek zählen dazu unter anderem ein eigener Laptop und ein gemeinsames Büro für Auszubildende, sowie die universitätsweiten Benefits wie eine tariflich geregelte Vergütung, vergünstigte Mensaangebote und vielfältige Freizeit-, Entwicklungs- und Gesundheitsangebote. Solche Vorteile gehören nicht ins Kleingedruckte. Sie zeigen, welchen Stellenwert junge Menschen in unserer Einrichtung tatsächlich haben. Was im Personalmarketing Employer Branding heißt, beginnt mit einer einfachen Frage. Ist in der Ausschreibung zu spüren, dass ein junger Mensch hier willkommen ist?

Eine gute Ausschreibung weckt Erwartungen, die der Ausbildungsalltag später einlösen muss. Gerade das Berufsbild FaMI verändert sich gemeinsam mit der wissenschaftlichen Bibliothek. Gedruckte Bestände bleiben wertvoll. Der Schwerpunkt verschiebt sich jedoch deutlich zu digitalen Medien, Daten und Services. Bibliothekssysteme und IT-Anwendungen, Teaching Library, Öffentlichkeitsarbeit und Lernraummanagement gehören bereits zur Ausbildung an der Universitätsbibliothek. Auch Zuarbeiten für Open Access sowie die Datenpflege für Repositorien und Open-Journal-Systeme sind Teil des Spektrums.

Forschungsdatenmanagement prägt ebenfalls zunehmend das Umfeld wissenschaftlicher Bibliotheken. Die Uni Magdeburg wird aktuell sogar zu einem landesweiten Knotenpunkt für dieses Zukunftsfeld ausgebaut. Künftige FaMIs brauchen deshalb fachliche Sorgfalt und digitale Souveränität ebenso wie Kommunikationstalent, Serviceorientierung und die Neugier, sich immer wieder in neue Themen einzuarbeiten. Gesucht werden Allrounder, die sich in digitalen Systemen ebenso sicher bewegen wie im Gespräch mit Menschen. Das passt zu Bibliotheken, die sich immer stärker zu Räumen des gemeinsamen Lernens, Austauschs und Wachsens entwickeln.

Für diesen Weg wurde an der Universitätsbibliothek im vergangenen Jahr ein neues Ausbildungskonzept entwickelt. Zwei fest verankerte Onboarding-Tage geben zunächst Orientierung, bevor die Auszubildende die einzelnen Abteilungen kennenlernt. Zusammenhänge werden sichtbar, Erwartungen geklärt und verlässliche Ansprechpersonen benannt. Gamifizierte Programm-Highlights wie die „Expedition durch die Wissenswildnis“, die „Rätselzeit im Grünen“ oder „How to Mensa“ runden die ersten zwei Tage ab. Anschließend planen die Abteilungen eigene Lernphasen und widmen sich gezielt der fachlichen Begleitung.

Dieses Vorgehen lässt sich auch auf andere Ausbildungsbereiche übertragen. Ein guter Start bündelt Informationen, klärt Verantwortlichkeiten und schafft einen verlässlichen Rahmen. Junge Menschen können darin sicher lernen, Fragen stellen und schrittweise selbstständiger werden. Onboarding ist damit keine freundliche Zugabe. Es legt das Fundament für die gesamte Ausbildung.

Wissenstransfer geschieht nicht nebenbei. Er braucht Zeit, Planung und Menschen, die ihr Erfahrungswissen mit Herzblut weitergeben. Beobachten, selbst ausprobieren, wiederholen, kleine Projekte übernehmen und ehrliches Feedback erhalten gehören zusammen. So entsteht eine Balance, die weder über- noch unterfordert.

Auch die Berufsschule gehört in diesen Blick. Der theoretische Teil der FaMI-Ausbildung findet im Blockunterricht in Sondershausen statt. Was dort gelingt oder belastet, wirkt in den Ausbildungsbetrieb hinein. Eine enge Verbindung von Theorie und Praxis verbessert die Lernchancen und hilft, Schwierigkeiten früh wahrzunehmen. Betrieb und Berufsschule sind zwei Seiten desselben beruflichen Weges.

Die pauschale Rede von der „Generation Z“ greift dafür zu kurz. Vor unserer Universität stehen junge Erwachsene mit unterschiedlichen Biografien, Stärken und Lerngeschwindigkeiten. Sie möchten verstehen, wofür eine Aufgabe wichtig ist, Rückmeldung erhalten und erleben, dass ihnen Schritt für Schritt etwas zugetraut wird. Darauf beruht jede gute Ausbildung.

Wer sorgfältig ausbildet, bewahrt Erfahrungswissen, entwickelt Talente und öffnet die eigene Einrichtung für neue Perspektiven. So werden Wissenstransfer und Fachkräftesicherung zu gelebter Organisationskultur. Die Uni Magdeburg schafft dafür starke Rahmenbedingungen. An der Universitätsbibliothek werden sie mit einem verbindlichen Konzept, persönlicher Begleitung und spürbarem Herzblut gefüllt.

Seit dem 1. August sitzen die Fachkräfte der Zukunft bereits mit am Tisch. Wie gut sie morgen die Universität tragen können, entscheidet sich auch daran, wie ernsthaft sie heute begleitet werden.

Schlagworte: Fachkräftesicherung, Campus