Philip Girschik studiert im fünften Semester Medizintechnik an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Die Weichen dafür stellte ein Schülerpraktikum am Forschungscampus STIMULATE. Heute engagiert sich der 20-Jährige neben dem Studium in der Studentischen Initiative Medizintechnik (STIMT) und arbeitet als Hilfskraft in der IT des Forschungscampus.
Ein Zeitungsartikel in der 9. Klasse genügte, um Philips Neugier zu wecken. Der Artikel handelte vom damals neuen Forschungscampus STIMULATE am Wissenschaftshafen. „Die Bilder von den medizinischen Geräten sprachen mich sofort an“, erinnert er sich. Da er schon in seiner Freizeit gern mit Elektronik gebastelt hatte, fragte er kurzerhand nach einem freiwilligen Praktikum in den Sommerferien.
Drei Wochen lang erhielt er Einblicke in die Medizintechnik: Er unterstützte Messungen für eine Bachelorarbeit, druckte mit dem 3D-Drucker und fertigte sogar einen MRT-Scan von einer Paprika an. „Nach diesem Praktikum stand fest, dass ich später Medizintechnik studieren möchte“, sagt er.
Medizin, Technik und Informatik in einem Studiengang
Der Bachelorstudiengang verbindet Ingenieurwissenschaften, Informatik und Medizin. Studierende lernen, wie technische Geräte, Verfahren und Software bei Diagnose, Behandlung und Überwachung von Krankheiten helfen. „Dabei fließen unter anderem Elektrotechnik, Informatik, Physik und Maschinenbau zusammen“, erklärt Philip.
Am Forschungscampus STIMULATE steht die schonende, bildgestützte Therapie im Mittelpunkt. Verfahren wie MRT, CT oder die Darstellung von Blutgefäßen helfen dabei, medizinische Instrumente präzise im Körper zu navigieren. Davon sollen unter anderem Krebs-, Nerven- und Gefäßerkrankungen profitieren, die so gezielter und wirksamer behandelt werden können.
Unkomplizierter Start
Die Einschreibung verlief für Philip reibungslos: Der Studiengang ist NC-frei, die Immatrikulation läuft über das Onlineportal in wenigen Minuten. „Nach ein paar Tagen hatte ich bereits alle offiziellen Dokumente“, berichtet er. Auch der Studienstart gelang ihm gut. In der Einführungswoche gab es einen strukturierten Plan, und weil der Jahrgang überschaubar war, fand er schnell Anschluss.
Besonders im Gedächtnis geblieben ist ihm das Modul „Einführung in die Medizintechnik“. In der Ringvorlesung berichteten Ärztinnen und Ärzte, Start-up-Gründerinnen und -Gründer sowie Forschende aus ihrem Berufsalltag. „Da habe ich zum ersten Mal gemerkt, wie vielfältig dieser Studiengang ist.“
Theorie und Praxis im Wechsel
In den ersten Semestern stehen Grundlagenvorlesungen in Physik, Mathematik, Elektrotechnik, Informationstechnik und Informatik auf dem Plan, dazu medizinische Fächer wie Anatomie, klinische Medizintechnik und medizinische Messtechnik. „Den Theorieteil darf man nicht unterschätzen“, warnt Philip.
Ausgleich bieten die begleitenden Seminare und Praktika. Dort wenden die Studierenden ihr Wissen im Labor an und führen gemeinsam klinische Messversuche mit EMG und EKG durch. „Ich habe mich immer auf die Praktikumstermine gefreut, weil sie eine gute Abwechslung zu den vielen Vorlesungen sind.“
Besonders hebt Philip das Modul „AME – Advanced Medical Engineering“ hervor. Allein oder im Team setzen die Studierenden dabei ein eigenes kleines Forschungsprojekt um – eine Möglichkeit, die es in anderen Studiengängen kaum gibt. Im Modul „Medical Innovations“ entwickeln sie zudem ein eigenes medizintechnisches Produkt mit Mikrocontroller.
Philips Tipp für die Prüfungsphase: Im Regelstudium stehen pro Semester durchschnittlich fünf bis sieben Prüfungen an (ausgenommen das erste Semester). Ein Lernplan mit konkreten Zielen hilft, den Überblick zu behalten. Wer das ganze Semester über dranbleibt und die Übungsaufgaben löst, muss vor den Klausuren nicht in Panik unzählige Folien aufarbeiten. „Das ist mental herausfordernd, aber man gerät nicht in eine Schocksituation.“
Engagement über das Studium hinaus
Neben dem Studium arbeitet Philip als studentische Hilfskraft in der IT des Forschungscampus STIMULATE. Er ist Bindeglied zum Universitätsrechenzentrum, beschafft Hardware und richtet Arbeitsplätze ein. Solche Hiwi-Stellen sind laut Philip im Studiengang keine Seltenheit: „Viele Lehrpersonen machen in ihren Veranstaltungen auf freie Stellen in der Forschung aufmerksam.“ So lasse sich früh an Themen arbeiten, die einen persönlich interessieren.
Auch in der Freizeit bleibt er aktiv: Er spielt Klavier und Kirchenorgel und tüftelt an eigenen technischen Projekten. Zudem sitzt er im Vorstand von STIMT. In der Initiative setzen Studierende aus verschiedenen Semestern und Fachrichtungen eigene medizintechnische Projekte um. Zuletzt entstand eine bionische Prothese, als Nächstes soll ein Mini-MRT folgen. „Neue Mitglieder sind jederzeit willkommen“, sagt Philip.
Der Blick nach vorn
Voraussichtlich im siebten Semester stehen Bachelorarbeit und Industriepraktikum an. Ein konkretes Thema hat Philip noch nicht, die Richtung ist aber klar: Bildgebung und Phantome, also künstliche Modelle, an denen sich MRT- und CT-Verfahren testen lassen. Das Praktikum würde er gern in einem der Start-ups am Forschungscampus absolvieren.
Danach will er an der Uni Magdeburg den Master Medical Systems Engineering anschließen und eine Promotionsstelle bei STIMULATE anstreben. „Mein Wunsch wäre eine wissenschaftliche Karriere oder eine Stelle, bei der ich meine eigenen Ideen realisieren kann. Ich möchte auf jeden Fall in der Bildgebung bleiben.“
Interessierten gibt er mit auf den Weg: „Habt keine Angst vor dem Studium. Es ist anstrengend, aber nutzt die Möglichkeiten, die euch geboten werden.“ Für ihn gebe es keinen besseren Studienort für Medizintechnik als Magdeburg: „Der Forschungscampus ist hochmodern ausgestattet, teils besser als manche Klinik. Dass wir Studierenden unsere Ideen von Anfang an selbst verwirklichen können, ist einmalig.“