Sprachcafe im Studierendenhaus (c) Benjamin Güllmar

Wo Deutschlernen zum Austausch wird

„Wie war deine Woche?“ - Viel mehr braucht es manchmal nicht, um ins Gespräch zu kommen. Jeden Mittwoch verwandelt sich das Studierendenhaus auf dem Campus der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg in einen Ort für deutsche Gespräche. Beim Sprachcafé Deutsch sitzen internationale Studierende und deutsche Muttersprachler gemeinsam an Tischen, trinken etwas, spielen Sprachspiele oder tauschen sich über Studium und Alltag aus.

Im Mittelpunkt steht dabei die deutsche Sprache, allerdings ganz ohne klassischen Unterricht. „Das Sprachcafé ist ein Begegnungsort, an dem man seine Deutschkenntnisse in einer ruhigen und entspannten Atmosphäre bei Snacks und Getränken weiter ausbauen kann“, sagt Dustin Brumlich. Der Germanistik-Absolvent der Uni Magdeburg betreut das Angebot als studentische Hilfskraft.

Portrait Dustin Brumlich (c) Benjamin Güllmar
Dustin Brumlich arbeitet als studentische Hilfskraft beim Sprachcafe (Foto: Benjamin Güllmar)

Unterstützt werden die internationalen Studierenden von freiwilligen deutschen Muttersprachlerinnen und Muttersprachlern. Sie helfen dabei, ins Gespräch zu kommen, unbekannte Wörter zu erklären oder sprachliche Feinheiten zu verstehen. „So erhalten die Teilnehmenden einen anderen Zugang zur deutschen Sprache, fernab des klassischen Unterrichts“, erklärt Dustin Brumlich.

Vom interkulturellen Treff zum Sprachcafé

Ins Leben gerufen wurde das Sprachcafé 2023 von der Initiative Interkulturelle Studierende (IKUS), einem Kooperationsprojekt mit dem Studentenwerk Magdeburg. Ursprünglich sollte dort nicht nur Deutsch gesprochen werden: Auch andere Sprachen waren Teil des Konzepts. Als die Nachfrage nach diesem mehrsprachigen Angebot zurückging, entwickelte sich daraus das heutige Sprachcafé mit Deutsch als zentraler Sprache.

Inzwischen ist das Angebot Teil des Projekts „Onboarding internationaler Studierender“ des International Office und wird gemeinsam mit dem International Career Service und IKUS organisiert. Das Ziel: internationale Studierende dabei zu unterstützen, ihre Deutschkenntnisse auch außerhalb von Sprachkursen anzuwenden und gleichzeitig Kontakte zu anderen Studierenden zu knüpfen.

„Wir möchten das Angebot weiterentwickeln, noch mehr deutsche und internationale Studierende erreichen und das Sprachcafé als regelmäßigen Begegnungsort auf dem Campus etablieren“, sagt der Absolvent.

Fünf Personen an einem Tisch

Wie genau das funktioniert, ist bewusst unkompliziert. Die Teilnehmenden verteilen sich auf mehrere Tische, an denen jeweils ungefähr fünf Personen sitzen. Es gibt Gesprächsrunden für unterschiedliche Sprachniveaus. Einen festen Ablauf gibt es nicht.

Schild Anfänger erstw Worte mit einem internationalen Studierenden (c) Benjamin Güllmar
Die Tische sind nach unterschiedlichen Sprachniveaus eingeteilt. (Foto: Benjamin Güllmar)

„Wir tauschen uns über bestimmte Themen aus oder berichten zum Beispiel von unseren Erfahrungen im Studium“, erzählt Dustin Brumlich. „Oft spielen wir auch Sprachspiele, um das Gelernte zu festigen.“ Wenn eine Gesprächsrunde zu leicht oder zu anspruchsvoll ist, können die Teilnehmenden einfach den Tisch wechseln.

Dass dabei ganz unterschiedliche Menschen zusammenkommen, ist ein wichtiger Teil des Konzepts. „Der internationale und interkulturelle Austausch ist für uns immer ein Highlight“, sagt er. „Man lernt viel über die Sprache und Kultur der Herkunftsländer der Teilnehmenden.“ Gleichzeitig erfahren internationale Studierende mehr über deutsche Gewohnheiten, von Pünktlichkeit und Arbeitskultur bis hin zu sprachlicher Höflichkeit.

Ein Sprachcafé braucht Menschen, die mitmachen

Dustin Brumlich selbst kam über eine Stellenausschreibung zum Sprachcafé. Die Arbeit passt zu seinem Germanistikstudium, in dem er sich unter anderem mit Fremdsprachenunterricht beschäftigt hat. Heute übernimmt er neben der Moderation die Vor- und Nachbereitung der Treffen, koordiniert die freiwilligen Sprachbegleitenden und macht auf das Angebot aufmerksam. Vor allem aber ist er Ansprechpartner für die Teilnehmenden.

Ein Höhepunkt war für ihn ein Treffen mit fast 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. „Das hat uns sehr gefreut und war ein besonderer Moment für das Sprachcafé“, erinnert er sich.

Damit solche Treffen auch künftig stattfinden können, sucht das Team weiterhin deutsche Studierende, die sich als Sprachlotsinnen und Sprachlotsen engagieren möchten. Verlässliche Unterstützung kommt bereits von Freiwilligen des Dialogs der Generationen und der Freiwilligenagentur Magdeburg. Weitere Interessierte können sich per E-Mail melden oder einfach bei einem Treffen vorbeischauen.

Dustin Brumlich an einem Sprachtisch (c) Benjamin Güllmar
Dustin Brumlich im Gespräch (Foto: Benjamin Güllmar)

Einfach vorbeikommen

Internationale Studierende können das Sprachcafé unkompliziert ausprobieren. Ein gewisses Sprachniveau sollten sie allerdings mitbringen. „Absolute Anfängerinnen und Anfänger könnten sich in den Gesprächen schnell überfordert fühlen“, sagt Dustin Brumlich. Eine Anmeldung ist trotzdem nicht nötig.

Sein Rat an alle, die noch überlegen: „Kommt einfach vorbei und probiert es aus. Ihr könnt auch gerne eure Freunde mitbringen. Wir freuen uns über jedes neue Gesicht.“

Das Sprachcafé Deutsch findet jeden Mittwoch von 16 bis 18 Uhr im Campus Kombinat statt. Informationen zu den Treffen gibt es über die „Welcome to OVGU“-App und die IKUS-WhatsApp-Community.

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