Prof. Dieter Schinzer in seinem Labor (c) Jana Dünnhaupt Uni Magdeburg

Vom Naturstoff zum Wirkstoff

Prof. Dr. Dieter Schinzer ist Chemiker aus Leidenschaft und seit vielen Jahren an der Universität Magdeburg tätig. Von 1997 bis 2022 hatte er den Lehrstuhl für Organische Chemie inne, seit Oktober 2022 ist er Seniorprofessor am Institut für Chemie. In seiner Forschung beschäftigt er sich mit der Synthese komplexer Naturstoffe und deren Potenzial als Wirkstoffe. Im Fokus stehen unter anderem neue Therapien gegen Krebs, schwere Infektionskrankheiten und neurodegenerative Erkrankungen. Dabei geht es ihm nicht nur darum, Naturstoffe im Labor nachzubauen: Er will ihre Strukturen gezielt verändern und so neue, wirksamere Wirkstoffkandidaten entwickeln. Zunehmend interessieren ihn auch personalisierte Therapiekonzepte, für die er eng mit Biologinnen, Biologen und Medizinern zusammenarbeitet.

Wie würden Sie Ihrem 12-jährigen Ich erklären, was Sie heute beruflich machen?

Meinem 12-jährigen Ich würde ich erklären, dass meine jetzige Tätigkeit einfach eine Fortführung meiner bereits Mitte der sechziger Jahre durchgeführten Experimente im Bereich Chemie und Physik auf höherem Niveau ist. Die Hilfsmittel haben sich schlicht deutlich verbessert: Statt Kosmos-Experimentierkästen und eines Chemielabors im Keller habe ich jetzt top ausgestattete Forschungslabore und zusätzlich sehr motivierte und qualifizierte Mitarbeiter.

In welchem Moment wussten Sie: Das ist mein Forschungsthema?

Mein aktuelles Forschungsgebiet hat sich im Laufe der Jahre herausgebildet, da die Fragestellungen immer komplexer wurden und durch Tätigkeiten an international renommierten Forschungsinstituten im Ausland extrem bereichert wurden.

Welches Missverständnis über Ihre Forschung begegnet Ihnen am häufigsten?

In meiner wissenschaftlichen Laufbahn ging es mir vor allem darum, gemeinsam mit anderen Forschenden aus biologisch aktiven Stoffen neue und wirksamere Medikamente zu entwickeln. Dabei wird oft unterschätzt, wie viel Zeit und Geld solche Entwicklungen kosten und dass viele von ihnen am Ende trotzdem scheitern.

Was machen Sie, wenn Sie nicht forschen?

Ich interessiere mich für Astronomie und besitze diverse Teleskope, die ich auch in der Astrofotografie einsetze – das habe ich allerdings auch schon als Schüler gemacht. Für ein Astroereignis wie die Sonnenfinsternis betreibe ich einen ziemlichen Aufwand, um an einem geeigneten Standort die besten Beobachtungsmöglichkeiten zu bekommen.

Eine letzte Frage: Wenn Sie sich für Ihre Forschung eine Sache wünschen könnten, was wäre das?

Aktuell bin ich in einer richtigen Aufbruchsstimmung, da neben den tollen Forschungsergebnissen jetzt auch noch völlig neue Labore nach unserer Konzeption errichtet werden. Allerdings finde ich die Trennung von Sach- und Personalmitteln extrem bürokratisch, da sie zu unnötigen Verzögerungen von Projekten führt. Daher wären unbürokratische und flexible Lösungen bei der Nutzung von Projektmitteln von großem Vorteil und würden deutlich effizienter zu wichtigen Forschungsergebnissen führen.

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Schlagworte: Fakultät für Verfahrens- und Systemtechnik, Forschung, Steckbrief