Ein gemeinsames Foto, viele Gespräche und eine große Zukunftsfrage: Wie wird aus neun Universitäten in neun europäischen Ländern ein Campus, der Grenzen überwindet? Im rumänischen Oradea kamen in der ersten Oktoberwoche die Spitzen der Hochschulallianz EU GREEN zu ihrem Jahrestreffen zusammen. Mit dabei sind die Magdeburger Universitätsleitung, die Koordinatorinnen und Koordinatoren der Allianz sowie Studierende. Gemeinsam blicken sie auf die erste Projektphase zurück und stellen die Weichen für die weitere Zusammenarbeit.
Die Idee hinter EU GREEN ist ebenso einfach wie ambitioniert: Wer in Europa studiert, lehrt oder forscht, soll künftig leichter zwischen den Partneruniversitäten wechseln und gemeinsame Angebote nutzen können. Erste Lehrformate und Austauschprogramme gibt es bereits. Nun geht es darum, diese auszubauen und neue Studienmöglichkeiten zu schaffen. Drei Vorschläge für internationale Studiengänge haben es in die engere Auswahl geschafft. Darunter ist ein Studienangebot zu grüner Energie mit Magdeburger Beteiligung. Bei einem weiteren, das sich mit nachhaltiger Wirtschaft, Politik und Unternehmensverantwortung beschäftigt, übernimmt die Otto-von-Guericke-Universität die Federführung.
Doch der europäische Campus soll nicht an den Hochschultoren enden. Auch die Städte und Regionen der Partneruniversitäten sollen von der Zusammenarbeit profitieren. Etwa wenn Forschende gemeinsam Lösungen für Umwelt- und Klimaprobleme entwickeln oder wenn Lernangebote und Online-Kurse nicht nur Universitätsangehörigen, sondern auch interessierten Bürgerinnen und Bürgern offenstehen.

Dass dabei nicht nur über Studierende, sondern auch mit ihnen gesprochen wird, gehört zum Selbstverständnis der Allianz. Vertreterinnen und Vertreter des Studierendenrats sitzen in Oradea als gleichberechtigte Mitglieder mit am Tisch. Sie bringen eine gemeinsame Erklärung der Studierenden ein, in der es um ihre Erwartungen an EU GREEN und ihre Möglichkeiten zur Mitgestaltung geht. Schließlich sollen gerade diejenigen mitentscheiden, die den europäischen Campus künftig nutzen werden.
Bei aller Aufbruchstimmung bleibt eine entscheidende Aufgabe: Aus einzelnen Projekten und zeitlich begrenzten Förderprogrammen muss eine Zusammenarbeit werden, die dauerhaft funktioniert. Dafür müssen die Universitäten Studienangebote besser aufeinander abstimmen, Wege zu gemeinsamen Abschlüssen schaffen und die Allianz fest in ihren Strukturen verankern.
Das Treffen in Oradea ist deshalb mehr als eine Zwischenbilanz. Es geht um die Frage, wie aus einer europäischen Hochschulinitiative ein selbstverständlicher Teil des Universitätsalltags werden kann – für Studierende, Forschende und die Menschen in den neun Partnerregionen. Das gemeinsame Foto hält einen Moment dieser Zusammenarbeit fest. Die eigentliche Arbeit daran geht weiter.