Studentin Nour sitzend im Gespräch mit zwei Männern (c) Jana Dünnhaupt Uni Magdeburg

Portugal und eine Idee für mehr Nachhaltigkeit

Ein Auslandssemester ist nicht die einzige Möglichkeit, während des Studiums internationale Erfahrungen zu sammeln. Mit den Blended Intensive Programs (BIP) der Hochschulallianz EU GREEN können Studierende der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg für kurze Zeit an einer Partneruniversität in Europa lernen, mit Studierenden aus verschiedenen Ländern zusammenarbeiten und dabei fachlich über das eigene Studiengebiet hinausblicken.

Eine dieser Möglichkeiten hat Nour Elsayed im Sommer 2026 genutzt. Die 22-Jährige studiert Bilinguale Informatik im fünften Bachelorsemester an der Uni Magdeburg und nahm am BIP „Project Management Toolkit for Sustainability“ an der Universität Évora in Portugal teil. Eine Woche lang beschäftigte sie sich dort gemeinsam mit internationalen Studierenden mit Projektmanagement und Nachhaltigkeit.

„Als Informatikstudentin beschäftige ich mich im Studium häufig mit technischen und digitalen Lösungen. Ich fand es deshalb spannend, einmal darüber hinauszuschauen und zu lernen, wie nachhaltige Projekte geplant und umgesetzt werden und welche Rolle unterschiedliche Fachrichtungen dabei spielen“, erzählt sie.

Von Instagram nach Portugal

Auf das Programm aufmerksam geworden war Nour Elsayed durch einen Instagram-Beitrag des International Office der Uni. Anschließend informierte sie sich über die verschiedenen BIPs und deren Themen. „Ich habe festgestellt, dass es eine ganze Reihe verschiedener Angebote mit unterschiedlichen Themen und Partneruniversitäten gibt“, berichtet sie.

Für das Programm in Évora sprach sie vor allem die Verbindung von Nachhaltigkeit, Technologie und Projektmanagement. Gleichzeitig wollte sie internationale Erfahrungen sammeln und mit Studierenden aus anderen Fachrichtungen zusammenarbeiten.

„Bisher habe ich bei Nachhaltigkeit eher aus einer technischen Perspektive auf die Probleme geschaut. Ich wollte besser verstehen, wie Technologie, Nachhaltigkeit und Projektmanagement miteinander verbunden werden können“, erklärt sie. „Mich reizte es außerdem, neue Perspektiven kennenzulernen und zu erleben, wie Lernen in einem wirklich internationalen Umfeld funktioniert.“

Erst online, dann vor Ort

Die Blended Intensive Programs kombinieren eine digitale Lernphase mit einem kurzen Aufenthalt an einer Partnerhochschule. Die Programme werden seit 2021 im Rahmen der aktuellen Erasmus+-Programmgeneration angeboten. Ziel ist es, internationale Lernerfahrungen auch dann zu ermöglichen, wenn ein komplettes Auslandssemester nicht infrage kommt.

Für Nour Elsayed begann das BIP zunächst online. Vom 1. Juni bis zum 3. Juli nahmen die Studierenden an digitalen Veranstaltungen teil, bearbeiteten Aufgaben und lernten sich bereits kennen. Gleichzeitig startete die gemeinsame Arbeit an einem Projekt, das später in Portugal weiterentwickelt werden sollte.

„Wir hatten regelmäßig Live-Online-Sessions und mehrere Abgaben. Neben den inhaltlichen Aufgaben haben wir uns bereits mit den anderen Teilnehmenden ausgetauscht und angefangen, gemeinsam an unserem späteren Projekt zu arbeiten“, erzählt sie.

Am 13. Juli ging es schließlich nach Portugal. Eine Woche lang arbeiteten die Studierenden an der Universität Évora in internationalen und interdisziplinären Teams. Ziel war es, eine eigene Projektidee zu entwickeln und am Ende der Woche zu präsentieren.

Was tun mit der Abwärme von Rechenzentren?

Nour Elsayed und ihr Team beschäftigten sich mit einer Frage, die gut zu ihrem Informatikstudium passte und gleichzeitig weit darüber hinausging: Wie lässt sich die Abwärme von Rechenzentren nutzen?

Rechenzentren verbrauchen große Mengen Energie und erzeugen dabei Wärme. Ein Teil davon wird bislang ungenutzt an die Umgebung abgegeben. Das Team wollte deshalb überlegen, wie sich diese Wärme beispielsweise für kommunale Wärmenetze nutzen lassen könnte.

Die Idee: eine digitale Plattform, die Rechenzentren mit bestehenden oder geplanten Wärmenetzen verbindet. Dafür entwickelten die Studierenden ein Konzept mit verschiedenen technischen Funktionen – darunter die Erfassung von Daten in Echtzeit, eine digitale Karte mit Rechenzentren und Wärmenetzen sowie ein System, das mögliche Verbindungen zwischen Wärmequellen und Abnehmern darstellt.

„Es ging aber nicht nur um die technische Seite“, erklärt Nour Elsayed. „Wir mussten auch überlegen, wie eine solche Lösung in der Praxis funktionieren könnte, welche Akteure beteiligt wären und welchen Beitrag sie zu einer nachhaltigeren Nutzung von Energie leisten könnten.“

Gerade die internationale und interdisziplinäre Zusammenarbeit habe dabei geholfen, das Projekt aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten. Eine fertige Software entstand in der kurzen Projektphase allerdings nicht. Stattdessen entwickelte das Team ein Konzept und stellte es am Ende der Woche vor.

Arbeiten, lernen und Évora entdecken

Viel Zeit für Freizeit blieb während der intensiven Projektwoche nicht. Die Programmtage begannen gegen 8:30 Uhr und dauerten bis etwa 18 Uhr. Auf Unterrichtseinheiten zu Projektmanagement und Nachhaltigkeit folgten Gruppenarbeiten, in denen die Studierenden das Gelernte direkt auf ihr Projekt anwenden konnten. Dazu kamen Exkursionen und weitere Aktivitäten.

Zu den Exkursionen gehörte ein Besuch beim Agroturismo Xistos auf der Herdade Monte da Ponte, den Nour Elsayed als persönliches Highlight des BIPs bezeichnet. Der nachhaltige Agrotourismusbetrieb beschäftigt sich unter anderem mit Biodiversität, verantwortungsvollem Tourismus und der Zusammenarbeit mit Wissenschaft und lokaler Gemeinschaft. Für die Studierenden bot die Exkursion zugleich eine Abwechslung vom intensiven Programm und Gelegenheit, gemeinsam Zeit in der Natur zu verbringen.

„Nach dem offiziellen Programm ging die Arbeit an unserem Projekt oft noch weiter“, erzählt Nour Elsayed. Trotzdem blieb Zeit, gemeinsam Évora zu erkunden, essen zu gehen oder einfach zusammenzusitzen.

Die portugiesische Stadt mit ihrer historischen Altstadt konnten die Studierenden dabei gut zu Fuß entdecken. Besonders in Erinnerung geblieben sind Nour Elsayed die gemeinsamen Abende und Sonnenuntergänge.

„Nach den intensiven Tagen und der vielen gemeinsamen Arbeit war es schön, einfach mit den anderen zusammen zu sein und den Moment zu genießen.“

Auch ein gemeinsames internationales Abendessen gehörte dazu: Die Studierenden kochten in ihrer Unterkunft Gerichte aus ihren jeweiligen Heimatländern. Aus den Begegnungen während der Woche entstanden Freundschaften, die teilweise auch nach dem BIP bestehen blieben.

Sechs ECTS und viele neue Perspektiven

Für die Teilnahme erhielt Nour Elsayed sechs ECTS. Da das BIP inhaltlich nicht direkt einem Wahlpflichtfach ihres Informatikstudiums entsprach, hat sie die Anerkennung der Leistung an der Uni als zusätzliche Leistung beantragt.

Auch finanziell wurde der Aufenthalt unterstützt. Die Erasmus+-Mobilitätsförderung der Uni Magdeburg deckte einen großen Teil der Kosten für Flug, Unterkunft und Verpflegung ab. Die Reise und den Aufenthalt organisierte Nour Elsayed selbst.

Für sie hat sich die kurze Reise nach Portugal vor allem wegen der Verbindung aus Studium, internationalem Austausch und persönlicher Erfahrung gelohnt.

„Das BIP hat mir gezeigt, wie wertvoll internationale Zusammenarbeit sein kann. Ich habe nicht nur fachlich etwas Neues gelernt, sondern auch gemerkt, wie viel man durch den Austausch mit Menschen aus anderen Ländern und Fachrichtungen mitnehmen kann.“

„Einfach trauen und sich bewerben“

Anderen Studierenden würde sie deshalb empfehlen, sich die verschiedenen BIPs genauer anzusehen und sich bei einem passenden Angebot zu bewerben.

„Ich würde auf jeden Fall empfehlen, sich einfach zu trauen und sich zu bewerben“, sagt sie. Wichtig sei, sich rechtzeitig über die Programme und Bewerbungsbedingungen zu informieren und die organisatorischen Dinge früh zu planen.

Vor Ort komme es außerdem darauf an, offen auf andere Teilnehmende zuzugehen. „Gerade bei einem internationalen Programm lohnt es sich, nicht nur während der offiziellen Veranstaltungen Zeit miteinander zu verbringen, sondern auch gemeinsam etwas zu unternehmen. Am Ende sind es oft genau diese gemeinsamen Erlebnisse, die man am längsten in Erinnerung behält.“

Für Nour Elsayed soll die internationale Erfahrung nicht die letzte bleiben. Nach ihrem Informatikstudium möchte sie weitere Möglichkeiten nutzen, technische Kenntnisse mit anderen Themenfeldern und Perspektiven zu verbinden. Auch eine Tätigkeit in einem internationalen Umfeld kann sie sich vorstellen.

„Gerade in der Informatik ist Zusammenarbeit über Länder- und Fachgrenzen hinweg inzwischen selbstverständlich. Die Erfahrungen aus dem BIP haben mir gezeigt, dass mir genau diese Art von Umfeld Spaß macht.“

Blended Intensive Programs bei EU GREEN

Die Hochschulallianz EU GREEN verbindet neun europäische Universitäten aus Schweden, Polen, Italien, Frankreich, Portugal, Deutschland, Irland, Rumänien und Spanien. In den BIPs arbeiten Studierende verschiedener Fachrichtungen und Nationalitäten zunächst online und anschließend für eine kurze Präsenzphase an einer der Partneruniversitäten zusammen.

Studierende der Uni Magdeburg können sich über aktuelle BIPs, Bewerbungsfristen und Fördermöglichkeiten beim International Office und auf der EU-GREEN-Plattform informieren.

Schlagworte: Studierendenleben, EU Green